Meine vegane Möhren-Quiche und über Loslassen und Veränderungen

Zurzeit stehen bei uns große Veränderungen direkt vor der Haustür. Ich kann sie schon beinahe anklopfen hören. In wenigen Wochen werden wir eine vierköpfige Familie sein. Ich werde mich von meiner zweiten Schwangerschaft verabschieden, die Geburt erleben, loslassen und wir alle drei freuen uns natürlich schon sehr darauf, dann unser neues Familienmitglied begrüßen zu dürfen. Das ist wohl eine der größten Veränderungen überhaupt im Leben. 

Wie schwer das mit dem Loslassen der Kinder ist, das wissen Eltern von älteren Kindern bestimmt viel besser als ich. Die Kinder in die immer mehr werdende Selbstständigkeit zu entlassen, ist für uns Großen oft gar nicht leicht. Wir möchten sie doch gerne noch ein bisschen behüten und beschützen. Umso dankbarer bin ich, dass diese Zeit bei uns ganz behutsam beginnt: Unser Zweijähriger besucht seit letzer Woche zum ersten Mal eine Naturspielgruppe – zwar nur für zweimal drei Stunden in der Woche, aber nach der Eingewöhnung dann zum ersten Mal ohne Mama. Wieder eine Veränderung, die uns bevorsteht und ich bin sehr gespannt darauf, wie es ihm gefallen wird.

Zweimal Veränderung und zweimal Loslassen, auf ganz unterschiedliche Weise, stehen mir also bevor. Als ich ungefähr vierzehn Jahre alt war, schenkte mir meine Mutter einmal eine Postkarte, auf der stand „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu“. Mittlerweile kann ich sagen: Da ist wirklich etwas Wahres dran. 

Vor Kurzem haben mein Mann und ich unseren fünften Hochzeitstag gefeiert. In diesem Jahr gehen wir bereits seit zehn Jahren Seite an Seite durch dieses Leben und ich habe oft das Gefühl, dass ich mich in diesen Jahren enorm verändert habe, dass ich fast nicht mehr die gleiche Person bin, die er damals kennen gelernt hat. So viele neue Wege tun sich auf in diesen Jahren zwischen zwanzig und dreißig, so viele neue Erkenntnisse, die uns beinahe zur Veränderung zwingen. 

So ähnlich ist es mir auch mit der Ernährung gegangen. Als wir uns kennen lernten, aß ich noch Fleisch, Süßigkeiten (nicht zu knapp 😉 ) und Co. Durch die Erfahrungen und das neue Wissen aus meinem Studium sollte sich das sehr bald ändern und mir zu einem völlig neuen Interesse verhelfen. Ich bin sehr dankbar für diese Veränderung. Für diesen Anstoß, mit viel mehr Bewusstsein durchs Leben zu gehen. Dafür, dass ich angefangen habe, mein Konsumverhalten und dessen Auswirkungen auf ethischer, gesundheitlicher uns ökologischer Ebene zu hinterfragen. Der Weg war nicht geradlinig. Es war kein „Diese Ernährungsform ist das einzige Wahre“, wie wir es ja oft vor Augen gehalten bekommen. Wann gibt es denn schon das einzig Wahre im Leben?! Es ist ein Weg, und auch dieser darf immer wieder von Neuem und von Veränderungen begleitet sein. Schließlich bleiben wir nicht stehen und das ist auch gut so. 

Da man trotz aller Veränderungen ja oft an alten Gewohnheiten hängt, mag ich es besonders, „alte“ Rezepte abzuwandeln. Quasi neue Wege zu gehen, ohne den Geschmack von früher vermissen zu müssen. 

So habe ich schon länger nach einem Quiche-Rezept Ausschau gehalten, das ohne Ei auskommt und bin zu dem Schluss gekommen: Das ist gar nicht so leicht! Bei einer lieben Freundin gab es vor einiger Zeit eine super leckere Möhren-Quiche, die allerdings mit Ei und zwei Sorten Käse wirklich viel tierisches Eiweiß enthielt. Aufgrund meiner Allergien genehmige ich mir so etwas nur als Ausnahme und würde es zu Hause so nicht nachkochen. 

Aber die Möhren-Quiche hat mich nicht losgelassen 😉 und nach zwei Versuchen, die zwar okay schmeckten, aber einfach längst nicht so lecker und würzig wie das Original waren, bin ich dann über ein veganes Quiche-Rezept gestolpert, in dem Kichererbsenmehl zur Bindung verwendet wurde. Das kombiniert mit der Idee von der Möhren-Quiche ergab dann endlich ein super leckeres Gericht, das ich gerne mit euch teilen möchte. 

Auch wenn die Quiche nicht zu den ganz schnellen Rezepten gehört, sondern ein bisschen Arbeit ist, finde ich es sehr praktisch, dass sie sich so gut vorbereiten lässt. Daher ist sie zum Beispiel prima dafür geeignet, wenn man Besuch bekommt und dann nicht noch ewig in der Küche stehen möchte. Sie kann dann einfach bis zu Ende vorbereitet werden und muss nur noch eine halbe Stunde vor dem Essen in den Backofen geschoben werden. 

Die Zutaten 

Kirchererbsenmehl 

Wenn ihr keine leistungsstarke Getreidemühle habt, die Kichererbsen mahlen kann, bekommt ihr das Mehl im Bioladen oder gut sortierten Supermarkt. 

Kichererbsen sind eiweißreich und enthalten viele Vitalstoffe, darunter zum Beispiel die Vitamine A, B, C und E, sowie Eisen und Kalzium, Zink und Magnesium.  Damit sind sie wirklich kleine Nähstoffbomben

Schabzigerklee und Hefeflocken

Beides habe ich in diesem Rezept als Gewürz verwendet, weil sie für einen würzigen Geschmack sorgen, der je nach Rezept und Verwendung sogar ein bisschen in Richtung Käse geht. Wenn ihr diese Zutaten nicht da habt, würzt die Quiche einfach kräftig nach eurem eigenen Geschmack. 

Ich hoffe, das Rezept gefällt euch und ich freue mich wie immer über eure Feedback!

Möhren-Quiche

Gericht: Hauptgericht

Zutaten

für den Kichererbsen-Teig

  • 250 g Kichererbsenmehl
  • 1 EL gemahlene Leinsamen
  • 2 EL Hefeflocken
  • 350 ml heiße Gemüsebrühe

für den Boden

  • 250 g Dinkel- oder Weizen-Vollkornmehl
  • 1/2 TL Meersalz
  • 2 EL Olivenöl
  • 125 ml Wasser

für den Möhren-Belag

  • 500 g Möhren
  • 2 große Zwiebeln
  • 2 Zehen Knoblauch
  • etwas Olivenöl zum Andünsten des Gemüses
  • 1 EL getrockneter Thymian
  • 1 TL getrockneter Oregano
  • 1/2 TL Schabzigerklee, gemahlen
  • Meersalz, Pfeffer
  • je 2-3 EL Sonnenblumenkerne und Kürbiskerne

Anleitungen

  • Das Kichererbsenmehl mit gemahlenen Leinsamen und Hefeflocken in einer Schüssel vermischen. Mit der heißen Gemüsebrühe aufgießen, mit einem Schneebesen gut verrühren und beiseite stellen, damit der recht flüssige Teig quellen kann.
  • Die Zutaten für den Boden verkneten. In einer gefetteten 26er-Springform einen gleichmäßigen Boden daraus formen und die Ränder etwas hochziehen. Den Boden merhmals mit einer Gabel einstechen.
  • Die Möhren mit einer Gemüsereibe fein raspeln. Zwiebeln fein würfeln, Knoblauch durch die Knoblauchpresse geben. In einer großen Pfanne erst die Zwiebeln und den Knoblauch in Olivenöl glasig dünsten, dann die geraspelten Möhren noch für einige Minuten dazu geben und mit dünsten. Zum Schluss den Kichererbsen-Teig dazu geben und unter Rühren kurz mit dem Gemüse vermischen. Der Teig dickt dabei sehr schnell ein.
  • Die Gemüse-Kirchererbsen-Mischung mit den getrockneten Kräutern, sowie Meersalz und Pfeffer würzen. Dann die Masse auf dem vorbereiteten Boden in der Springform verteilen und mit Sonnenblumen- und Kürbiskernen bestreuen.
  • Im vorgeheizten Backofen bei 180 Grad Umluft 30 Minuten backen.

Eine gute Zeit wünscht euch die

Grüne Familie.

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